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Grünklau

Kriminell: Innerstädtisches Naturparadies und Grüngürtel in Gefahr!

In der Stadt Köln sind ökologisch wertvolle Grünstreifen, der Grüngürtel, Hinterhofgärten und einzelne Bäume immer häufiger von Zerstörung bedroht und sollen weiterer Bebauungen, Straßen und der sogenannten Verdichtung weichen.

Es waren nicht nur die 300 Bäume an der Bonner Straße, die von der Kölner Politik (CDU/SPD/FDP/Grüne/Linke) und Verwaltung fünf Tage vor der Weltklima-Konferenz in Bonn im letzten Herbst für breitere Fahrbahnen abgeholzt worden sind (offizieller Grund: Schienenausbau), sondern es sind im Prinzip alle unversiegelten Flächen in unserem Lebensraum, die momentan leichtfüßig von Politik und Verwaltung als Planungsreserven für zukünftige (Straßen und Beton) Bauten hergegeben werden.

Als die "Initiative gegen den Planungsirrsinn" an der Bonner Straße seinerzeit die Planer für die 3. Baustufe der Nord-Süd-Bahn befragten, warum sie nicht so geplant hätten, dass die Bäume an der Bonner Straße hätten erhalten werden können, sagten sie trocken, „Das war nicht unser Auftrag!“

Die auftraggebende Stadt Köln hat es nicht interessiert, ob die 300 Bäume an der Bonner Straße stehen bleiben können oder nicht, - trotz Klagen wegen gravierender Planungsfehler, trotz Klagen wegen zu großer Luftverschmutzung, trotz vorliegender alternativer Planungen, trotz Bitten der Bevölkerung!

Für die Kölner Stadtverwaltung sind Bäume „Gestaltungselemente“, die man beliebig verschieben, wegstellen, umlegen oder wieder aufstellen kann.

In letzter Konsequenz gelten alle kleine und großen innerstädtischen Grünflächen als Planungsressourcen für die Finanz-und Bauindustrie, die nach belieben verbraucht oder mittels „beschleunigter Bauverfahren“ abgeholzt, verbaut, versiegelt und asphaltiert werden dürfen. Trotz großflächiger Luftverschmutzung, trotz Tropennächte, trotz drohenden Absturz des globalen Klimas in eine Heisszeit!

Es gibt zwar eine kommunale Satzung zum Schutz von Bäume und Grünflächen, aber die Satzung wird kaum umgesetzt und ist politisch nicht gewünscht!

Hier ein aktuelles Beispiel:

Die Ökosystem-Leistungen der noch vorhandenen Landschaft werden von den Behörden faktisch ignoriert. Beispiel: Bei sommerlicher Hitze, treten deutlich erhöhte Krankheits- und Sterbe­raten auf. Etwa 4 bis 5 % der Sterbefälle Berlins hängen mit Hitze zusammen. Sommerliche Höchsttemperaturen werden durch städtische Vegetation deutlich gesenkt. Auf 50 bis 100 Meter breiten Grünflächen wurde an heißen und windstillen Tagen eine Abkühlung um 3 bis 4° C gegenüber der angrenzenden Bebauung festgestellt.

Und selbst bei dem einst vorbildlich angelegten Kölner Grüngürteln, die sich halbkreisförmig um die Stadt legen, nimmt Politik und Verwaltung den Bestands - und Naturschutz nicht sehr ernst und lässt zu, dass dass Gelände großzügig angeknabbert, verkleinert und zerstört wird. Hier ein Schaubild dazu:

Zu dieser nachlässigen Haltung der Stadt passen Pläne eines Fussballclubs, auf einem Teil des historischen Kölner Grüngürtels Fussballplätze mit Plastikrasen (!) und Umkleidekabinen zu bauen. Hier ein Artikel zu diesem Plan.

Diese Pläne setzen die bereits vorhandene schleichende Zerstörung des Kölner Grüngürtels fort. Hier noch einmal das Schaubild dazu:

Dabei ist der Grünanteil Kölns laut einer Satellitenbild-Auswertung der Berliner Morgenpost verglichen mit anderen deutschen Städten eher gering. Hier schafft es unsere Stadt nur auf Platz 65 von 79 untersuchten Großstädten.

Diese schon seit einigen Jahren anhaltenden schleichende Zerstörung des für die Stadtökologie bedeutsamen Kölner Grüngürtels hat eine Bürgerinitiative auf den Plan gerufen, die Kölner Grüngürtel in ihrem Bestand zu verteidigen. Hier ein offener Brief an Frau Oberbürgermeisterin Henriette Reker.

Dabei muss man wissen, dass sowohl der äußere, als auch der innere Grüngürtel planmäßig angelegte Grünflächen sind, die sich auf beiden Ufern des Rheins halbkreisförmig um die Stadt Köln legen. Sie sind aus dem doppelten Festungsring (mit offene Schussfelder) entstanden, der Köln umgeben hat. Dieser musste aufgrund des Versailler Vertrags nach 1919 zerstört werden. Der damalige Oberbürgermeister Kölns, Konrad Adenauer ergriff die Situation beim Schopfe und gestaltete mit Hilfe des Stadtplaners Fritz Schumacher und des Gartenbaudirektors Fritz Encke aus diesen freien Schussfeldern das Kölner Grünsystem, dass aus einem Inneren und einem Äußeren Grüngürtel besteht.

In einer damals angespannten, wirtschaftlichen und politischen Situation ( unmittelbar nach dem 1.Weltkrieg in den 20ger Jahren) schuf Oberbürgermeister Adenauer und seine Leute eine zukunftsweisende Planung, die alle Aspekte der Ökologie, der Volks-Gesundheit, des Klimas, des Emissionsschutzes, der Stadtbelüftung, des Verkehrs, der Soziologie, der Bildung und der künstlerischen Gestaltungbeachtete berücksichtigte!!!

Eine Haltung, die man sich auch heute von Politik und Verwaltung wünscht und die eigentlich gesetzlich vorgeschrieben ist. Doch tatsächlich werden die Kölner Grüngürtel Stückchen für Stückchen für irgendwelche kleineren und größeren Bauprojekte geopfert, obwohl genau dieses Grünsystem mit seinen zwei ringförmig angeordneten Grünzügen bei Städtplanern weltweit als städtebaulich vorbildlich gelten.

Um der weiteren Zerstörung des Kölner Grünsystems Einhalt zu gebieten hat die ortsansässige Bürgerinitiative und ihrer Unterstützer (hier die Internetseite) das Kölner Grünsystem als allgemein zu erhaltendes Kulturerbe ausgerufen.

Im Jahr 2015 hatte das Europäische Parlament beschlossen, das Jahr 2018 zum „Europäisches Kulturerbejahr“ zu erklären. Ziel des Europäischen Kulturerbejahres 2018 soll die Schärfung von Bewusstsein für die europäische Geschichte sein. (Mehr dazu hier!)

Unter dem Motto „Sharing Heritage“ (englisch: unser Erbe teilen) finden nun in Köln im Rahmen dieses „Kulturerbejahres 2018“ zwischen Juli 2018 und Juli 2019 ca. 50 Veranstaltungen zum Thema Erhaltung des Grüngürtels statt. Unter der Überschrift „Das Kölner Grünssystem – ein zukunftsweisendes Erbe“ werden alle Aspekt des zu erhaltenden Grüngürtels dargestellt. Hier die Internetseite:

Unter der Überschrift „Das Kölner Grünssystem – ein zukunftsweisendes Erbe“ werden alle Aspekt des zu erhaltenden Grüngürtels dargestellt. Hier die Internetseite dazu:

Ziel der Veranstaltungen ist "das Bewusstsein für das einzigartige Kölner Grünsystem, seinen Erhalt und Ausbau und seine vorbildliche Konzeption für die Europäische Stadt umfassend zu schärfen.“ Es soll der hohe ökologischen Wert des Grüngürtels, sein Geschichte und die Gefahren für den Grüngürtel durch die aktuelle Umweltpolitik dargestellt werden.

Auftaktveranstaltung zum "Jahr des Kölner Grünsystems“ war der Samstag, der 7.Juli 2018 in der „Freiluga“ in Köln. Hier die sehr interessante Veranstaltungsliste:

Eine der nächsten Veranstaltungen in dieser Reihe findet am Samstag, den 13. Oktober zum Thema „Raderberger Brache, Wildnis in der Stadt“ statt.

Hier und hier die Einladung dazu:

Ottmar Lattorf

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