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Parkstadt Süd

Das Großmarkt-Gelände und der Stadtteil Raderberg als Spielwiese für die Bau- und Immobilenwirtschaft?

In der Öffentlichkeit werden allerdings ehrenhafte und stadt-ökologische Gründe für die Verlegung des Großmarkts angeführt. Ein Argument ist, es gäbe zu viel (LKW-)Verkehr rund um den Großmarkt herum. Doch dieses Argument ist ein Hausgemachtes, denn man könnte ohne große technische Probleme den LKW-Verkehr aus den betroffenen Stadtteilen herausholen. Ein anderes, aktuelles Argument für die Verlegung des Großmarktes ist, es gebe bei der Verlegung die einmalige Chance, den Grüngürtel bis an den Rhein zu erweitern. Und man könnte bei dieser Gelegenheit dann ein tolles, neues Stadtviertel -„Parkstadt Süd“ genannt- auf dem Großmarktgelände bauen, wie etwa am Rheinufer am Rheinauhafen ( das Gelände mit den drei schrecklichen Kran-Hochhäusern).

Momentan lebt man im Stadtteil Raderberg noch relativ ruhig, preiswert und im Grünen. Hier gibt es noch bezahlbare Wohnquartiere, sehr viele Genossenschaftswohnungen mit Gärten und großen Grünflächen rundherum, z.B. den Vorgebirgspark, die Raderberger Brache und den Südfriedhof. Außerdem gibt es ca. 2000 Arbeitsplätze direkt vor der Haustür auf dem Großmarkt. Das aber sind auch gute Bedingungen für die arme Finanz- und Bauwirtschaft endlich mal wieder hohe Gewinne zu machen; und die will die Stadtverwaltung hier anlocken.

So liest man in einem Gutachten des Amts für Stadtentwicklung über die Zukunft des Großmarktgeländes und über die Zukunft der angrenzenden Gebiete, Raderberg, Raderberger Brache, Fortuna Stadion, Flohmarktplatz, Tierheim, (ESIS genannt), dass es sich bei diesem Areal um ein großes Gebiet handelt, das noch Natur hat, das noch nicht total zugebaut und das dünn besiedelt ist! Deshalb muss man nun ein „Entwicklungs-Konzept zur In-Wert-Setzung“ schaffen, weil der Stadtteil mit seinen Qualitäten ja unterentwickelt ist. Man will „Nach-Verdichten“. Sie sagen: „Die lagegemäße Wertigkeit“ des ganzen ESIS-Areals (= u.a. Großmarktgelände) soll „funktional und städtebaulich neu geordnet werden.“ Es geht um „die Beseitigung der Funktions-Verluste und Funktions-Defizite im Siedlungs- und Freiraum.“ Alles klar?

Übersetzt heißt das: Das ESIS-Areal (= u.a. Großmarktgelände) ist, so wie es jetzt ist, nutzloses Land, mit dem keiner Geld verdienen kann. Es gibt Bau- und Immobilien-Konzerne, die mit diesem Gelände, das „so zentral in der Kölner Kernstadt, rund 2,5 km südlich der Mitte der Geschäftscity liegt“ (und den Vierteln drumherum ) viel, viel mehr Geld verdienen könnten, als jetzt dort verdient wird!

Und damit die zukünftigen Neubebauungen auf städtischen Boden in Raderberg möglichst bald realisiert wird, wurde vom Stadtentwicklungs-Aussschuß und der Bezirksvertretung in Rodenkirchen eine 678.000 Euro teure Werbe - Kampagne beschlossen. Es geht jetzt darum die Planungen legitim erscheinen zu lassen, endlich zu beginnen und gleichzeitig die Bevölkerung so weit einzuseifen, dass sie von der Notwendigkeit dieses großen städtebaulichen Plans überzeugt wird.

Den vorgetragenen Sorgen, dass es dem Fortuna Stadion und dem Tierheim an der Vorgebirgsstraße ans Leder gehen soll und den Sorgen dass den Baukonzernen zugearbeitet wird, begegnen die mit Steuergelder bezahlten Planer (u.a. Neubig-Hubacher und Urban Catalyst) von vorne herein mit dem Argument, es gehe zu aller erst darum, den Grüngürtel zu verlängern, - es ginge um den Aufbau einer grünen Oase, der „Parkstadt- Süd“.

Den Sorgen mancher Bürgerinitiativen, dass die Bürger bei diesem Bauprojekt -wie schon so oft- wieder überrumpelt werden, begegnen sie mit neuen psychologischen Tricks. Um die Illusion zu erzeugen, dass der Bürger auch mitentscheiden kann, nennen sie die nun begonnene Planungsphase für die Bebauung des ESIS-Gelände „kooperatives Planungsverfahren“. Man versucht außerdem mit öffentlichen Veranstaltungen, Spaziergängen und Gruppenspielchen, Mitspracherechte der Bürger vorzutäuschen. Eine Verwirklichung des Wählerwillens sähe anders aus.

Was die städtischen und privaten Planer in ihren Veranstaltungen nicht erwähnen sind die zu erwartenden und gewünschten Auswirkung eines neuen Schicki-Micki Viertels auf dem jetzigen Großmarktgelände und auf die anliegenden Stadtteile in Raderberg und Zollstock. Allein schon durch die Absicht, den Großmarkt verlegen zu wollen und Planungen auf den Weg zu bringen, um dort ein neues Viertel hinzubauen, schleichen jetzt schon die Scouts von Immobilienfirmen durch die Straßen von Raderberg und suchen nach Häusern und Geländen, die man billig erwerben kann. Es geht nämlich auch darum die Viertel rund um den Großmarkt „in Wert zu setzten“, zu Sanieren, zu Modernisieren und zu Verkaufen! Raderberg ist jetzt schon zu einem lukrativen Spielfeld für die Bau-Industrie geworden. Im Jahr 2013 hat der Gesetzgeber die Möglichkeit geschaffen, Wohnungen auch dann kündigen zu können, wenn sie „verwertet“ werden sollen und der Mieter nicht einfach aus der Wohnung ziehen will.

Allein durch die Erwartung, dass es auf dem Großmarktgelände zu dem Bau eines neuen hoch-preisigen Wohnviertels kommen wird ("Parkstadt-Süd"), steigen jetzt schon die Mieten im benachbarten Raderberg und Zollstock an. Aber nicht nur das. An der Mannsfelder Straße sollen völlig intakte Genossenschaftswohnungen mit großen Gärten abgerissen und um die Gartenfläche hinter den jetzigen Häusern vergrößert und wieder aufgebaut werden. Anschließend gibt es eine Mieterhöhung entsprechend den Investitionen und dem zu erwartenden neuen Mietspiegel, (jetzt durchschnittlich 4,40 Euro, zukünftig 8,50 Euro pro qm). Andere Genossenschaften wollen ihre Wohnungen Luxussanieren, um entsprechend die Mieten erhöhen zu können. An wiederum anderer Stelle in Raderberg wurden jetzt schon alte Bäume aus den Hinterhofgärten entfernt, um die Häuser in diesem Viertel leichter verkaufen zu können. u.s.w. Und alles das, nur weil der Großmarkt verlegt werden soll und der Standort Raderberg von der Stadt Köln für die Bau- und Finanzwirtschaft interessant gemacht wird!

Auch der Plan den Großmarkt verlegen zu wollen ist ein volkswirtschaftlicher Unsinn! Der Großmarkt, 1939 auf dem ehemaligen „Judenbüchel“ hergerichtet, hat keine Wohnhäuser aus der Gründerzeit, sondern Lagerhallen, Kühlhäusern, Kellerräumen, Proberäume, Ateliers, Obstständen, Auslagen, Büros, Laderampen LKW-Parkplätzen und Anschlüsse an die Deutsche Bahn. Im Zentrum des Geländes liegt die denkmalgeschützte Versteigerungshalle, die 1939 eine architektonische Meisterleistung war. Pro Tag kommen ca. 5000 Kunden dort hin, ca. 200 Firmen sind auf dem Großmarkt angesiedelt und jährlich werden dort 1,2 Mio. Tonnen Obst, Gemüse, Feinkost, Fleisch und Fisch angeliefert, zwischengelagert, verkauft, umgeladen und abtransportiert. Hier herrscht ein reges Treiben. Dieses Treiben soll am 31.Dezember 2019 aufhören und mit allen Firmen, Händlern, Zulieferern, Geschäften, Handwerksbetrieben verlegt werden. Es werden zwar alternative Flächen als Standorte für ein neues sog. „Frischezentrum“ erwähnt, z.B. Marsdorf, aber ein dem jetzigen Großmarkt entsprechender und bezahlbarer Ort für die Händler ist nicht wirklich in Aussicht. Nach Lage der Dinge könnte es im Jahr 2020 auch auf eine Zerschlagung des wichtigsten und voll funktionstüchtigen Handelsplatzes im Kölner Süden kommen. Die Zerschlagung des Großmarktes ist für die Händler auf dem Großmarkt ein „existenzbe-drohendes Szenario“. Viele mittelständische Betriebe, die dort für ganz Köln, für die Gastronomie, die Wochemmärkte und für die türkischen und italienischen Obstläden, Obst und Gemüse, Fisch und Fleisch, Gewürze und Blumen organisieren, würden bei einer Verlegung oder Zerschlagung in die Pleite getrieben werden. Das Angebot an Obst, Gemüse und Fleisch würde sich schlagartig auf Aldi, Lidl und Co reduzieren.

Es stellt sich längst die Frage, ob der Ratsbeschluss von 2007, den Großmarkt verlegen zu wollen eine sinnvolle Entscheidung war. Hiermit ist eine Stadtentwicklung angestossen worden, bei der man sich fragt, für wen sie eigentlich gut ist? Weder die Stadtteile Raderberg und Zollstock noch das Grossmarkt-Gelände brauchen eine „In-wert-Setzung“ und Aufwertung. Man kann die Bebauungen auf dem Grossamarkt an den tatsächlichen Bedarf anpassen und auf dem verbleibenden Gelände-Rest und dem Gelände des Güterbahnhofs Bonntor den Grüngürtel verlängern. Die kommunalen Verfassungen der Bundesländer haben(noch)eine dem Gemeinwohl dienende Zweckbestimmung der Städte und die sollte nicht schleichend außer Kraft gesetzt werden.

Es gibt im Hinblick auf andere Stadtentwicklungsprojekte in Deutschland schon genug schlechte Erfahrungen, wie zum Beispiel aus Stuttgart mit dem Projekt Stuttgart 21, aus Berlin-Kreuzberg und aus Hamburg-Eppendorf? Hier zu die Film-Doku "Wem gehört die Stadt? Wenn Geld die Menschen verdrängt. Über Entmietung und Vertreibungen alteingesessener Bevölkerung in „aufgewerteten“ Stadtteilen zu Gunsten eines finanzkräftigen Klientel s und des großen Geldes wurde schon berichtet: "Betongold. - Wie die Finanzwirtschaft in mein Wohnzimmer kam."

Um die Aufwertungen und In-Wert-Setzungen der Stadtteile Raderberg und Zollstock zu verhindern, müsste die Stadt Köln eine Miljöhschutz-Satzung beschließen. Daher lauten die Forderungen vieler vernünftiger Bürger jetzt:

verantwortl.: Ottmar Lattorf, Mannsfelder Straße 17, 50968 Köln, e-Post: nabis@web.de Telefon: 34 11 82

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