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Parkstadt Süd

September 2019

Was will die Stadt Köln mit der Planung zur Parkstadt Süd erreichen ?

Ist das Bau-Projekt „Parkstadt-Süd“ eine kluge Antwort auf die Anforderungen der Stadt zu Zeiten des Klimanwandels und der Wohnungsnot? Ist die angebliche Grüngürtelverlängerung nur der Vorwand, um den Großmarkt zu zerschlagen?

Seit einigen Jahren plant die Stadt die Verlängerung des Grüngürtels bis in die Südstadt hinein. Was einst Kölns Oberbürgermeister Konrad Adenauer in den 20iger Jahren begonnen hat, die Anlage zweier Grüngürtel um die historische Innenstadt, möchten nun seine heutigen Enkel in Politik und Verwaltung „vollenden“.

Die Stadt Köln gibt vor, den historischen, inneren Grüngürtel, der sich zur Erbauung der Kölner Bürger bislang halbkreisförmig um die Innenstadt bis zur Luxemburger Straße/ Eifelwall hinzieht, bis zum Rhein an der Südbrücke in die Südstadt verlängern zu wollen! Sie möchte bei dieser Gelegenheit auf dem ausgerufenen Gelände entlang des Bahndamms ein ökologisch-wertvolles, vorbildliches, städtebauliches Projekt errichten: die Parkstadt Süd. So die Außendarstellung.

Obwohl die Stadt Köln nicht bekannt ist für die Verwirklichung von zukunftsweisenden Lösungen, reden ihre Lautsprecher von einer „PARKSTADT“, von der „VOLLENDUNG des GRÜNGÜRTELS und von der „Realisierung eines „JAHRHUNDERTPROJEKTS“.

Bei allen vorbereitenden Reklame-Veranstaltungen zur "Informierung" der Bevölkerung achtete die Stadt sehr auf ein Bürgerbeteiligungs-Image, allerdings ohne das die Meinung des Bürgers tatsächlich eine Rolle gespielt hätte! Pseudo – Bürgerbeteiligung abgelehnt

Worum geht es?

US-amerikanische und europäische Banken drucken seit Jahren einfach jede Menge Geld! Was dem normalen Bürger verboten ist, macht die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt monatlich und das in großen Mengen: sie drucken pro Monat ca. 80 Milliarden zusätzlicher Euros, bislang 2, 5 Billionen Euro! Doch, was immer die Zentralbank an Geld ins Wirtschafts-System pumpt, hilft nicht mehr zu wirtschaftlichem Aufbau, sondern fließt überwiegend in die Taschen von Großinvestoren und Großbanken. Diese leiden an einem Geldstau, bei gleichzeitiger Gefahr einer Hyperinflation und dem komplett Zusammenbruch der Währung. Also, müssen Möglichkeiten geschaffen werden, diese Gelder in die Realität zu bringen, z.B. durch das Kaufen von Bauland und Wohnungen und dem Bauen von Häusern, Autobahnen, Tunnel, ganzen Stadtvierteln, u.s.w.. Es soll sogenanntes „Betongold“ geschaffen werden, dass bei einem Zusammenbruch der Wirtschaft/Währung den Vorteil bietet, dass wenigstens die Eigentumstitel bestand haben. (Hier zum Weiterlesen.) Doch was hat das jetzt mit der Parkstadt Süd zu tun?

Stadt erstellt ein „Entwicklungs-Konzept zur In-Wert-Setzung“ des Grossmarktgeländes

Der Kampf um neue Spielfelder für die an Geldstau leidenden Banken hat die Kölner Stadtverwaltung gegen die Interessen alteingesessener Händler auf dem städtischen Großmarkt gebracht. Der Kampf währt schon seit einigen Jahren! Einheimische Wirtschaft hin oder her: Die Händler stören. Sie sitzen nämlich mit ihren Aufbauten, Versteigerungshallen und Kühlaggregaten 2,5 km von der Geschäftscity entfernt, sozusagen finanztechnisch gesehen, am falschen Platz! Obwohl der Rat der Stadt Köln eine Standortgarantie für den Großmarkt bis zum 31.Dezember.2023 abgegeben hat, hintertreibt das Amt für Liegenschaften den Beschluss und versucht den Händlern, das Leben auf dem Gelände schwer zu machen. Mit einer Zermürbungs- und Sabotagetaktik versucht die Verwaltung der Stadt die Händler zur Aufgabe zu zwingen. Hier die Presseerklärung der Händlergemeinschaft dazu. Denn das Gelände des Großmarkts (= Hauptteil des Parkstadt Süd Geländes) ist reif, nach vollzogener Gentrifizierung der anliegenden Stadtteile, Südstadt und Raderberg, nun von weiteren finanzstarken „Playern“ bespielt zu werden.

Das der Lebensmittelversorgung dienende Großmarktgelände soll den Immobilien-Bau- und Finanz- Konzernen zum Fraß vorgeworfen werden, egal ob der Großmarkt von Wochenmärkten, Gemüsehändlern, Gastronomieunternehmern, Mensen, Restaurants, Landwirten aus der Region u.s.w. gebraucht wird!

In einer Hochglanz-Broschüre der Stadt liest sich das Planungsvorhaben der Stadt so: „Auf Grundlage der gesetzlichen Möglichkeiten soll ein attraktives urbanes Quartier im Kölner Süden entstehen“... „Die Integrierte Planung“ soll „die für die Stadtentwicklung wichtigen Themen Städtebau, Architektur, Freiraumplanung, Umwelt und Verkehr“ verbinden. „Wesentliches Augenmerk wurde hierbei ebenso auf die soziale Wohnraumförderung und die Schaffung eines (ausreichenden) Angebots von Arbeitsplätzen, wie auch auf die zukunftsfähige Organisation von Mobilität und die Sicherung von Daseinsfürsorge gelegt werden...“

Sehen wir uns die hier skizzierten Ziele des Projekts und die dazugehörige Realität etwas genauer an, um den Bau-Plan besser beurteilen zu können.

Die Wohnraumbeschaffung der letzten Jahre in Köln.

Bei der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum war die Stadt in den letzten Jahren sehr sparsam! Sozialwohnungen wurden von der öffentlichen Hand im großen Stil und für wenig Geld verkauft, „privatisiert“. Obwohl eigentlich klar war, dass nur ein soziale, kommunale Bindung (Mietpreisdeckelung) geholfen hätte, die Mietpreise niedrig zu halten und nicht der Verkauf von städtischen Wohnungen an private Konzerne! So ist die Zahl der sozialgebundenen Wohnungen in Köln von 53.000 im Jahr 2005 auf 37.000 im Jahr 2017 gesunken. Werden nicht genauso viele Sozialwohnungen neu gebaut, wie aus der Sozialbindung herausfallen, verringert sich der Bestand.

So sind z.B. in NRW 93.000 der landeseigenen, kommunalen Wohnungen der "Landesentwicklungsgesellschaft" (LEG) als Paket komplett an privat verkauft und die LEG selber als kommunale Wohnungsbau-Einrichtung privatisiert worden. Die Mietpreisbindung für die Bewohner der verkauften Wohnungen endete zu Beginn des Jahres 2019. Aktuell betroffen ist unter anderen, das bekannte Arbeits- und Wohnprojekt in der Kölner Südstadt Karthäuser Wall 18. Viele der alteingesessenen Mieter, die bislang kostengünstig gewohnt haben, müssen nun wahrscheinlich raus, um nach neuen Wohnungen und Arbeitsstätten zu suchen. Doch die Suche bleibt schwierig, denn benötigt werden allein in Köln heute mindestens 60.000 bezahlbare Wohnungen.

Wohnungen mit Mietpreisen von 7 bis 9 Euro qm wurden in Köln in den letzten Jahren überhaupt nicht mehr neu gebaut! Eiserne Regel im Wohnungsbau: je preisgünstiger die spätere Wohnung, desto geringer die Gewinnspanne! Daher will kein noch so reicher Investor im freien Wohnungsmarkt preisgünstige Wohnungen bauen. Wohnhäuser werden heute nicht errichtet, um die Wohnbedürfnisse von Menschen zu erfüllen, sondern um Geld zu verdienen! Preisgünstige Wohnungen gäbe es nur, wenn die Stadt sie selber über Jahre kontinuierlich bauen würde, in Besitz halten und nicht verkaufen würde!

In der österreichischen Stadt Wien, die zum zweiten Mal zur lebenswertesten Stadt Europas gekürt wurde, wurde mit dem Bau kommunaler, sozialgebundener Wohnungen bereits vor 100 Jahren begonnen. Man hat unter den diversen SPÖ geführten Regierungen bis heute darauf geachtet, das der kommunal geförderte Wohnungsbestand nicht veräußert wird. Und siehe da, die gesetzlich gedeckelten Mietenpreise – aktuell 6,60 Euro pro Quadratmeter im Gemeindebau und 7,10 Euro im geförderten Wohnbau – schoben der Spekulation mit Wohnungen oftmals einen Riegel vor. Da der Bedarf an Wohnungen durch das kontinuierliche Bauen gedeckt war! Bis heute wird weiter neu gebaut! Hier mehr dazu: Wien: So schafft man Wohnungen für fünf Euro pro Quadratmeter.

Doch in Köln (allerdings auch anderswo) verfahren potentielle Bauherren nach der Devise „Abwarten und Liegenlassen“, denn das ist viel lukrativer als zu bauen. Der Wert der Grundstücke steigert sich durch Liegenlassen ganz von allein! So wird trotzdem verdient und nicht gebaut.

Mittlerweile hat jeder zweite Bewohner in Köln einen Wohnberechtigungsschein. Die Wohnraum-Situation wird sich allerdings noch weiter verschlechtern, da auch noch tausende Wohnungen, die verkauft wurden, ihre Sozialbindungen verlieren!

Und jetzt „soll auf soziale Wohnraumförderung beim Bau der Parkstadt Süd „geachtet werden“! Es gibt Richtlinien darüber, dass die Stadt mindestens 30 % der zu bebauenden Gesamtfläche für den sozialen Wohnungsbau reserviert! Doch diese kann jederzeit wieder wegfallen, wie die Handhabung dieser Richtlinie an einem benachbarten Bau-Projekt, dem Deutsche Welle Gelände in Raderthal, zu sehen ist. Dort wurde beschlossen, dass die 30% Sozialwohnungen des sog. „Kooperativen Baulandverfahrens“, „umständehalber“ dann doch nicht realisiert werden müsse!

Eine gute Tat wäre es, wenn die Stadt wirklich frei werdendes Gelände zum Bebauen an ortsansässige Bau-Genossenschaften übergeben würde! Zieht die Stadt das in Erwägung, wie man es in anderen Städten (z.B. Wien oder Ulm) bereits vorgemacht hat? Nein! Stattdessen bereitete die Stadt mit einer pseudo-demokratischen Theaterschau, der „kooperativen Bürgerbeteiligung“, das politische Aktions-Feld für die verschiedenen Geld-Haie vor. Ein Nebeneffekt der Aktion: Das „Jahrhundertprojekt“-Gequatsche hat geholfen, dass jede Menge Geld-Heinis ins Viertel (Raderberg) gekommen sind, die sich nach Immobilien umsehen, kaufen und für viel Geld sanieren. Folge: immer höherer Mieten!

Der Grüngürtel und seine Verlängerung

Um die diversen problematischen Grundstücke für die Verlängerung des Grüngürtels und Baus der „Parkstadt Süd“ endgültig in Besitz zu nehmen, rief die Stadt eine Sanierungssatzung für das geplante Gelände aus und wollte über diesen Weg alle Teilstücke des Geländes in die eigene Hand bekommen.

Die Händlergemeinschaft des Großmarkts und andere Grundstücksbesitzer wehrten sich dagegen und klagten gegen die Sanierungssatzung der Stadt. Im April des letzten Jahres (2018) entschied das höchste Deutsche Verwaltungsgericht in Leipzig, dass die von der Stadt Köln aufgestellte Sanierungs-Satzung rechtsungültig ist und die Händlergemeinschaft den Prozess gewonnen hatte! Hier nachzulesen: “Kölns Mega-Projekt Parkstadt Süd verzögert sich auf unbestimmte Zeit“. „Rechtsstreit droht. Satzung der Parkstadt Süd ist unwirksam!“

Die Gründe dafür waren,

  1. Der von der NRW Landesregierung für das betreffende Gebiet aufgestellte Regionalplan (also dort, wo der Grüngürtel verlängert werden soll), sieht dort KEINEN Grünzug vor! Der Regionalplan müsste für die Verlängerung des Grüngürtels bis zum Rheinufer, wie die Stadt Köln es plante, neu aufgestellt werden!
  2. Die Stadt hat keine Vorstellung davon, wie teuer das ganze Projekt werden soll, es fehlte der Stadt ein seriöser Finanzplan!

Jetzt hat die Stadt Köln für die Geländeteile, die sie ausgerufen hat und nicht besitzt, nur noch das Vorkaufsrecht, - falls Jemand verkaufen möchte. Hier die Mitteilung der Verwaltung dazu.

Dass die Stadt Köln tatsächlich das Ziel hat, den Grüngürtel in entsprechender Breite von der Luxemburger Straße aus bis zum Rheinufer „zu vollenden“, glaubt der Autor dieser Zeilen nicht! Denn dass, was seit Jahren tatsächlich mit dem Grüngürtel geschieht, ist genau das Gegenteil dessen, was man hier angeblich plant! Sieht man die Entwicklung, die der Grüngürtels in den letzten Jahren genommen hat an, dann erkennt man, dass es bei den durchgeführten Maßnahmen immer um die Verkleinerung, die Zerstückelung, das Zerschneiden und das Bebauen des vorhandenen, historischen Grüngürtels gegangen war. Hier eine kartographische Darstellung der vergangenen Verluste. Und hier das Bild der aktuellen Bedrohungen

Hier noch eine weitere aktuellen Bedrohungen des Grüngürtels durch den Bau von vier Fussballplätzen des 1. FC Köln mit Plastikrasen.

Hier ein weiteres Bild des Baufortschritts(!) auf dem als Grüngürtel ausgerufenen Platz am Eifelwall/ Ecke Luxemburger Straße. Das Bild ist leider kein Witz, denn es handelt sich um das neu gebaute historische Archiv, dass genau auf dem Gelände des als "Parkstadt Süd" ausgerufen Grüngürtel-Geländes gebaut wird. Übrigens: Im Hintergrund des Bildes befindet sich die Luxemburger Straße und in weiß erkennbar, das vor kurzem neu gebaute Coopt -Gebäude,- was im übrigen auch im Grüngürtel liegt nämlich Luxemburger Straße Richtung Zülpicher Straße/ Ecke Luxemburger Wall-.

Hier eine weitere aufziehende Bedrohung des Grüngürtels jenseits der Luxemburger Straße aus dem Oktober 2018.

Kommen wir zum ökologischen Aspekt der „Parkstadt Süd“

Seien wir vertrauensselig. Und legen die Skepsis gegenüber der Stadt bei Seite und glauben, dass die Stadt tatsächlich eine Verlängerung des Grüngürtels Richtung Südbrücke will und versuchen uns den ökologischen Gewinn vorzustellen, den die Stadt bei diesem Projekt im Auge haben könnte. Es würde auf keinen Fall ausreichen, sich dabei nur den potentiellen Grünstreifen (von wie viel Metern Breite?) als Rasenfläche mit ein paar Bäumchen darauf, vorzustellen. Denn darin dürfte sich der potentielle ökologische Wert des „Jahrhundert- Projekts“ nicht erschöpfen, wenn man denn Großes im Sinn hat.

Man muss sich das ganze Vorhaben aus der Perspektive einer möglichen und wünschenswerten, ökologischen Stadtentwicklung vorstellen und das vor dem Hintergrund der Notwendigkeiten, die sich aus dem Klimawandel heute ergeben.

Zusätzlich muss man das „Parkstadt Süd“ Projekt auch volkswirtschaftlich betrachten, auch im Hinblick auf den Zustand der regionalen Landwirtschaft und ihrer Verkehrsanbindungen, will man die ökologischen Auswirkungen des Projekts einschätzen. Denn schließlich geht es der Stadt zu zuallererst darum, den voll funktionstüchtigen Handelsplatz für Lebensmittel der Stadt Köln zu zerstören! Trotz Bestandsgarantie bis Dez. 2023 und trotz Idee den Großmarkt auf einen neuen Platz nach Marsdorf zu verlagern, läuft die konkrete Politik der Verwaltung auf Sabotage der Händler hinaus. Hier eine aktuelle Presseerklärung der Händlergemeinschaft dazu.

Falls sich die Region Köln künftig als Klimawandelgründen selber komplett mit Lebensmittel versorgen wollte und die Stadt tatsächlich eine Verkehrswende auf den Weg bringen würde, wäre ein Großmarkt mit direkter Anbindung an das Schienennetz der Deutschen Bahn (und der KVB) eine sehr praktische und zukunftsweisende Sache! Allerdings dürfte die Deutsche Bahn AG nicht fortfahren, Strecken und Bahnhöfe im ganzen Land still zu legen! Der Großmarkt wäre für die regionale und überregionale Landwirtschaft ein funktionierender, über die Schiene leicht erreichbarer Markt. Man muss dabei bedenken, dass die heute global, vorherrschende landwirtschaftliche Produktion viel zu Energie- und Ressourcen – verbrauchend und viel zu umweltzerstörerisch ist. Sie muss zurückentwickelt werden, wollen wir die Klimakrise langfristig überstehen.

Allein schon aus Gründen der Umweltzerstörung (Regenwald) und aus Gründen des Energieverbrauchs (Verkehrskosten) darf sich die europäische Futtermittel-Industrie nicht mehr mit Rohstoffen aller Art aus der sog. Dritten Welt eindecken, um damit die Viehmassen in den einheimischen Tierfabriken billiger ernähren zu können. Erdnüsse aus der Sahel-Zone, Kokos aus Südasien, Tapioka aus Thailand Soja aus Brasilien sind die Brennstoffe mit dem die Rekord-Produktion von Fleisch und Milch in der EU erst möglich wurden. Folgen davon sind der ungesunde Überkonsum von Fleisch in den industriellen Metropolen und die Verseuchung der einheimischen Grundwässer mit Nitrate. Denn die mit brasilianischen Soja gefütterten Tiere aus der Massentierhaltung aus Norddeutschland müssen ja auch irgendwo hinscheißen und hinpissen. (Siehe auch: Futtermittel und Welthunger, Agrargroßmacht Europa – Mastkuh der Dritten Welt von Harald Schuhmann oder der Filmbeitrag: "Soja: Der Fleisch-gewordene Wahnsinn"

Das hat mittlerweile dazu geführt, dass das Grundwasser in Deutschland bis zu einem Drittel mit Nitrat verseucht ist . Tendenz steigend! Nitrate, die aus der Fleischproduktion (Kot und Urin der Tiere) stammen und als Gülle notgedrungener Weise auf die Felder verbracht werden oder in riesigen Sammelbecken gelagert werden müssen, gelten durch die Bildung von Nitrosaminen, als schwer Krebserregend... Und dies ist nur ein Teil des destruktiven Teufelskreis, in der unsere heutige intensiv-Landwirtschaft steckt. Es gibt weitere Teufelkreise...

Daher muss die Intensiv-Landwirtschaft, die die letzten 50 Jahren mit sehr viel Geld, durch sog. „Agrarsubventionen“ hochgepäppelt wurde, zu Gunsten einheimischer, regionaler, extensiver Bio-Landwirtschaften zurückentwickelt werden! Zukunftsorientierte Städteplaner können diese Missstände in der intensiv- Landwirtschaft und die Dramatik des augenblicklich stattfindenden Klimawandels auf unserem Planeten und dessen Auswirkungen auf unseren unmittelbaren Lebensraum, die Stadt, nicht ignorieren! Wir müssen uns mit den Aufbau von Infrastrukturen auseinandersetzen, die wir notwendigerweise in einer Stadt wie Köln brauchen, um das Abrutschen in eine irreversiblen Heiß -Zeit auf unserem Planeten zu vermeiden! Schon jetzt stehen manche Großstädte bei den immer häufiger vorkommenden Wetter-Extremen vor dem Klima-Kollaps

Und wenn man sich mit den städteplanerischen Bedingungen auseinandersetzt, die uns zukunftstauglich machen können und wir dabei infrastrukturell in die Zukunft blicken und uns die Frage stellen, wie zukünftig die Selbstversorgung der Stadt mit Lebensmittel organisiert werden könnte... was sehen wir dabei? Den Großmarkt an der Stelle, wo er jetzt ist! Und der soll nach Willen der Kölner Städteplaner einfach zerschlagen werden? Ist das klug?

Der Großmarkt stammt aus einer Zeit, da die Versorgung mit Lebensmittel der Stadt ökologisch nicht schädlich war! Die Vorgebirgsbauern kamen seinerzeit über Köln-Zollstock die Vorgebirgsstraße runter gefahren und verkauften auf dem Großmarkt ihren Kappes. Nun könnte man meinen, dass so ein alter Hut aus vergangenen Zeiten sich längst überlebt hat. Doch tatsächlich ist dieser alte Hut kein Überbleibsel aus Großmutters Zeiten, sondern kann eine wichtige Rolle bei der Anpassung und Umstrukturierung der Stadt und ihr landwirtschaftliches Umland in einer ökologischen Krise sein.

Das Umland ragt in eine innerstädtische Lebensmittelversorgungs- und Verkehrs-Planung hinein. Zum Umland gehört auch, die bedrohte, kleinteilige, einheimische Landwirtschaft, die am ehesten noch in der Lage wäre, mit alten Produktions – Methoden, den ökologischen Erfordernissen der Gegenwart gerecht zu werden und die von daher gefördert werden müsste.

Angenommen, eine Wende in der Landwirtschaft würde sich in nächster Zeit ereignen - und es ist nur zu hoffen, dass dies passiert!-, was bräuchte man dann, um die Lebensmittelversorgung einer Stadt wie Köln durch die wiedererstarkten, regionalen Bauern zu gewährleisten? Genau! Den Großmarkt in der Größe und an der Stelle, an der er jetzt ist!! Denn, weder die normale Massenversorgung mit Eiweiß-Futtermittel aus der „dritten Welt“ (wie z.B. Soja aus Brasilien) noch die Gemüseversorgung aus dem verdorrenden Südeuropa und die Benutzung der dazugehörigen Logistik-Apparate (LKW, Flugzeug, Schiffe), können langfristig so weitergetrieben werden, wie bisher! (Filmbeitrag: Europas dreckige Ernte)

Das Schienennetz

Ehemals konnten alle Güter mittels Schiene auf den Großmarkt transportiert werden. Natürlich hat man auch LKWs bei dem Transport von Lebensmitteln auf den Grossmarkt hin verwendet. Doch jede kleine Hundehütte hatte auf dem Großmarkt einen Anschluss an das Schienennetz der Deutschen Bahn. Güter konnten mit LKWs zum Güterbahnhof Eifeltor in Köln Zollstock delegiert und dann Huckepack mit der Bahn bis zum Güterbahnhof „Bonntor“ an der Bonner Straße transportiert werden. Dieser Güter-Bahnhof war ganz praktisch, denn er lag direkt neben dem Großmarkt.

Die in Sachen Bahnbetrieb vorbildliche Schweiz bewegt heute den LKW-Verkehr durch das Land genau mit der gleichen Huckepack Methode, wie die, die seinerzeit zwischen dem Güterbahnhof Eifeltor und dem Güterbahnhof Bonntor betrieben wurde. Wenn ein LKW heute durch die Schweiz zu fahren gedenkt, dann fährt er Huckepack auf Schienen durchs ganze Land, von Grenze zu Grenze! Für den LKW -Transport werden in der Schweiz heute keine Straßen mehr benutzt!

In den letzten 30 Jahren hat eine massive Verlagerung des Güterverkehr von der Schiene auf die Straße stattgefunden. Auch hat man das lokale Lagerhallen-System auf die Straße, auf den LKWs gebracht. Neueste Berchnungen haben gezeigt, dass wir bei den sogenannte „Just in Time - Termin - Fahrten", bei den die LKW‘s auf den Autobahnen auch als Lagerhallen für Waren aller Art herhalten, werden durchschnittlich 4800 km Stau pro Tag auf Deutschen Autobahnen erzeugt! Rechnet man alle Staus des Jahre 2018 zusammen, reicht die Blechlawiene 38 mal um unsere Erde! (Quelle: "Wahnsinn LKW - Wie der globale Schwerverkehr uns alle kaputt macht.")

Die Hauptursache dafür: Fast alle Waren werden mehrfach Hunderte Kilometer mit LKWs transportiert, auch deshalb, weil die Lagerhallen auf den Großmärkten einfach weg gespart wurden! Doch was die Produktion und die Lagerung von Lebensmitteln und Waren aller Art vielleicht verbilligt, erzeugt andererseits, volkswirtschaftlich gesehen, gigantische Folgeschäden und das nicht nur auf den Straßen und Autobahnen.

Unlängst hat die „Allianz pro Schiene“ e.V. eine Studie zu den „externen Folgekosten“ des LKW/ PKW – Verkehr in Deutschland in Auftrag gegeben. Unter „externen Kosten des Verkehrs“ versteht man diejenigen Kosten, die durch die Verkehrsteilnehmer verursacht, jedoch nicht von ihnen selber getragen werden. Das Resultat: Durch die Benutzung von LKW‘s und PKW‘s - entsteht in Deutschland ein volkswirtschaftlicher Schaden von ca. 150 Milliarden Euro pro Jahr!! Es ist der Energieverbrauch, der Landschaftsverbrauch, es sind die Kosten für Unfälle, die Kosten für den Lärm, für die Luftverschmutzungen, es sind Kosten für die Fläche der Verkehrsinfrastrukturen , die nicht die Spediteure oder die PKW-Fahrer bezahlen, sondern die Gesellschaft als Ganzes. (Zum Vergleich: Die Höhe des gesamten Bundeshaushalt in diesem Jahr 2019 liegt bei 350,- Mrd Euro)

Wollen wir im Sinne des Gemeinwohls auf die bestehenden Verkehrsprobleme und auf den anstehenden Klimawandel reagieren, muss sich bald die gesamte Verkehrsinfrastruktur und die Art der Lebensmittelproduktion ändern! Eine Stadtplanung, die den Anspruch eines „Jahrhundertprojekts“ vor sich herträgt, muss dem Rechnung tragen! Und das bedeutet für die Planung der „Parkstadt Süd“, dass man sich verkehrstechnisch auf die Förderung des Schienenverkehrs und auf die Förderung der einheimischen, kleinteiligen Bio-Lanwirtschaft in der festlegt. Die kleinteilige Bio-Landwirtschaft in der Region muss wieder-erstarken. Die Selbstversorgung der Stadt Köln mit Lebensmittel aus der Region, wie es sie vor 50 Jahren gegeben hat, muss wieder hergestellt werden. Die städtische Infrastruktur muss genau wieder hergestellt werden. Und genau dazu passt der Kölner Großmarkt, wie er jetzt ist! Der Großmarkt hat genau die Potentiale, die wir zukünftig brauchen und sollte als das Herzstück der Parkstadt Süd als notwendige Funktionseinheit erhalten bleiben und nicht auf einen Acker nach Marsdorf verlegt werden, der noch nicht einmal ein Schienenanschluss hat.

Man kann ja trotzdem die „Parkstadt Süd“ auf die tatsächlich frei gewordenen Geländeteile um den Großmarkt herum, den einheimischen Genossenschaften zum bebauen übergeben!

Hier eine Unterschriftenaktion zum Erhalt des Großmarktes.

Also muss man fordern,

Ach, so! Letzte Nachricht: Wie gestalteten sich die Bürgerbeteiligungs-Verfahren und welche Schlüsse zogen wir, die beteiligten Bürger daraus? Sie bauen doch so hoch, wie sie wollen! Und nun planen sie drei ( Mai 2019) 15 stöckige Hochhäuser an der Bonner Straße, die dann auch noch genau in die Frischluftschneise für die Innenstadt stehen.

P.S.

Sehr zu empfehlen: Film-Doku über Betongold, - oder wie die Finanzindustrie in mein Wohnzimmer kam.

Was ist Gentrifizierung

von Ottmar Lattorf
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