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Nord-Süd-U-Bahn

Wie durch einen Schienenausbau die schon schlechte Luft an der Bonner Straße noch schlechter wird

In der Auseinandersetzung um den Bau der 3. Ausbaustufe (der Nord-Süd-Bahn) wird gesagt, dass der Grund für die Fällung aller (300) Bäume an der Bonner Straße der Bau der Schiene bis zum Bonner Verteiler ist. Die Prüfung der aktuellen Planung durch internationale Verkehrsexperten zeigte demgegenüber aber, dass man den Schienenstrang über die Bonner Straße sehr wohl bauen kann, ohne dass die Bäume gefällt werden müssen.

Zeichnung eines Autos im Stau mit Rettungsrädern
Dicke Luft in Köln

Hier die Langfassung der Untersuchung. Hier die Kurzfassung.

Die beabsichtigte Fällung der Bäume geht NUR auf die Vorrangstellung des Autoverkehrs (und auf die Breiten der Fahrbahnen und Kreuzungen) zurück. Die ohne ein Gesamt-Verkehrs-Konzept agierende Stadtverwaltung räumt dem Autoverkehr auf der Bonner Straße den meisten Platz ein, obwohl man die Auto-Verkehrsdichte eigentlich verringern möchte. Es scheint der unerklärte Wunsch der städtischen Planer zu sein, dem individuellen Autoverkehr gegenüber der Schiene und den Bäumen die höchste Priorität und den meisten Platz im öffentlichen Raum einzuräumen. Obwohl das Ziel der Nord-Süd-Bahn und der 3. Ausbaustufe die Verringerung des Autoverkehrs ist.

Diese widersprüchliche und antiquierte Bevorzugung des Autoverkehrs durch die Verkehrsplaner ist in vielen Metropolen Europas (Wien, London, Kopenhagen) aus vielen guten Gründen nicht mehr gebräuchlich und ist einer rationalen Sichtweise gewichen. Denn diese Auto-fixierte Haltung ist nicht nur wenig intelligent; sie führte zur totalen Verschandelung und Verstopfung unserer gewachsenen Städte mit gefährlich, fahrenden und stinkenden oder herumstehenden Autos und sie ist im Hinblick auf die Volks-Gesundheit völlig verantwortungslos. Ganz abgesehen vom Stadtbild. Der Zustand ist eigentlich für jeden Stadtbewohner unerträglich und in hohem Maße gesundheitsschädlich.

Es ist zwar bekannt, dass aus dem Auspuff eines Autos über 800 chemische Verbindungen austreten, und dass nach zehn Minuten des Einatmens dieser Auto-Abgase jeder Mensch definitiv sterben würde, aber das scheint bei den Verkehrsplanern der Stadt Köln noch nicht angekommen zu sein. Man riecht in diesem Mief nämlich nichts mehr!

Es ist zwar bekannt, dass es pro Jahr weltweit ca. eine Millionen Tote durch Unfälle im Autoverkehr gibt. Das sind mehr als in allen aktuellen Kriegen (Libyen, Syrien, Ukraine, Jemen) zusammen. Weniger bekannt dürfte sein, dass mittlerweile Jahr für Jahr mehr als doppelt soviel Menschen vorzeitig an den Folgen der Abgase getötet werden. Ca. 2 Mio. Menschen pro Jahr, die daran vorzeitig sterben...Hier ein Auszug aus dem Kapitel „Abgase: der unsichtbare Tod“ aus dem Buch „Virus Auto - Die Geschichte einer Zerstörung.“ von Hermann Knoflacher aus Wien, S. 98-103

Hier die Beantwortung der Frage, wie Stickstoffoxide die Gesundheit des Menschen schädigen.

Autoabgase verschlechtern zunehmend unserer Atemluft

Der größte Teil der Luftbelastung, vor allem in den Städten, stammt aus dem motorisierten Individual-Verkehr, kurz „MIV“ genannt. Bei 20.000 Fahrzeugen die täglich auf einer Verkehrsstraße fahren, werden pro Kilometer rund zwei Tonnen Erdöl verbrannt. Auf der Bonner Straße zwischen Verteiler und Schönhauser Straße, rund 2,1 km, werden nach Angaben der Stadt durchschnittlich täglich 39.000 Fahrzeuge mit qualmenden Auspuff gezählt. Es werden allein an diesem Stück Straße ca. 8 t. Erdöl verbrannt! Täglich!

Sollten die 300 Bäume entlang der Bonner Straße gefällt werden, bleiben als einzige Filter nur unsere Lungen übrig, die diese Schadstoffe aus der Luft holen.

Man stelle sich eine chemische Fabrik vor, die die gleiche Menge Erdöl täglich verbrennt und die Abgase einfach in die Luft abgibt. Wie lange würde dieser Betrieb aufrechterhalten werden können? Wahrscheinlich nicht lange. Aber bei den Autofahrern drücken Stadtverwaltung und Politik bislang beide Augen und die Nase zu !

Kommt hinzu, dass die Menge an Abgase durch zwei Größen bestimmt werden, die man nie erwähnt und die zu erwähnen politisch unkorrekt ist: 1.) die Menge der Autoverkehrs und 2.) die Geschwindigkeit der motorisierten Individualverkehrs.

Der Energieaufwand eines bewegten Objekts steigt mit dem Quadrat der Geschwindigkeit. D.h. je schneller ein Auto fährt, desto mehr Abgase erzeugt es. Die Geschwindigkeitsreduzierung ist die wirksamste Maßnahme, um der flächendeckenden Vergasung der Menschen durch Giftstoffe aus dem Auspuff entgegenzuwirken. Sie wirkt nämlich sofort!!

Und dieser Abgas-Cocktail geht - dank der wenig zukunftsweisenden Stadt- und Verkehrsplanung der Stadt Köln- auch an den Nasen der Kölner Bürger nicht vorbei. Es stinkt an Kölns Straßen gewaltig und es ist zu im Allgemeinen zu laut. Aktuelle wissenschaftlichen Messungen der Luftqualität von zwölf Großstädten in Deutschland zeigen, dass Köln besonders großflächig mit Stickstoffdioxid-Schadstoffen belastet ist.

Hier nachzulesen: "Das dreckige Dutzend. Abschlussbericht der Stickstoffdioxidmessungen in zwölf deutschen Städten von Greenpeace aus dem Jahr 2016.

Selbst in den Nebenstraßen wurden sehr hohe Werte bestimmt. Die höchsten Werte - und zwar doppelt so hoch, als die erlaubten Grenzwerte - finden sich ausgerechnet an der Ecke Bonner / Schönhauser Straße in Köln!

Auch das ehemalige Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtete unlängst unter dem Titel „Stickoxid – Wo Luft in Deutschland krank macht.“ über die Probleme.

Aber es gibt neben dem Stickstoffoxiden noch eine Vielzahl weiterer giftiger Gase, die der Autoauspuff in die Atemluft blässt, z.B. der sogenannte „Feinstaub“, dem ich mit meinem Staubsauger immer häufiger hinterherjage. Und so kommt es, dass 85% der Städte in Europa eine Feinstaubbelastung haben, die als gesundheitsschädlich gilt.

Hier ein weiterer Bericht über das gleiche Problem.

Klage eingereicht wegen ständiger Luftverschutzung

Diese ständige Überbelastung unserer Atemluft mit giftigen Gasen war Anlaß für die Deutsche Umwelthilfe im November 2015 Klage beim Verwaltungsgericht Düsseldorf gegen das Land Nordrhein-Westfalen einzureichen. Grundlage für die Klage ist einerseits das Recht des Bürgers auf saubere Luft und andererseits die chronisch hohe Belastung der Luft in den größten Städten Deutschlands mit dem Schadstoff Stickstoffdioxid (NO2). Betroffen von der ständig steigenden Luftverschmutzung sind neben Düsseldorf, die Städte Köln, Bonn, Aachen, Essen, Gelsenkirchen, Frankfurt am Main, Mainz, Stuttgart und Berlin.

Der seit 2010 geltende Grenzwert von 40 µg/m3 NO2 im Jahresdurchschnitt wurde in den genannten Städten seitdem an verkehrsnahen Messstationen erheblich überschritten. Aus Sicherheitsgründen hatte die Stadt Köln ihre Messstationen zum großen Teil abgebaut und nach außerhalb ins Grüne (z.B. in Finkensgarten in Rodenkirchen ) verlegt. Ziel dieser Klage der deutschen Umwelthilfe (http://www.duh.de/home/ )ist, dass die Bezirksregierung schnellstmöglich dafür Sorge trägt, dass sich die gesundheitsschädliche Luftbelastung verringert und die EU-weit geltenden Grenzwerte für NO2 im Stadtgebiet eingehalten werden.

Das Ergebnis: Das Verwaltungsgericht Düsseldorf hat der Klage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) gegen das Land Nordrhein-Westfalen wegen Überschreitung der Luftqualitätswerte in der Landeshauptstadt Düsseldorf (Aktenzeichen 3K 7695/15) in vollem Umfang stattgegeben. Hier die Presseerklärung der DUH dazu.

Wie könnten die Lösungen aussehen?

Das Gericht in Düsseldorf kam zu dem Ergebnis, dass Fahrverbote für Dieselfahrzeuge so schnell wie möglich auszusprechen sind. Die rechtlichen Instrumentarien sind nach Auffassung des Gerichts bereits jetzt vorhanden. Es gäbe allerdings auch weitere Möglichkeiten die Giftcocktail in unserer Atemluft zu reduzieren. Ein aktuelles Beispiel dazu: Würde das Stadtbahnbauamt der Stadt Köln, dass im übrigen die von den Bürgerinitiativen schwer kritisieren dritte Ausbaustufe plant, diese Fakten berücksichtigen und nicht in ihrem Auto-fixiertem Technokraten-Sumpf verharren, könnte sie in diesem Zusammenhang gleich mehrere notwendige Aufgaben lösen.

Würde die Stadt also an der Bonner Straße die Breiten der Fahrbahnen an der Bonner Straße reduzieren, etwa von 3 m auf 2 m pro Fahrbahn, was technisch und rechtlich ohne weiteres möglich ist; (Oder alternativ: würde man die ganze Bonner Straße zwischen Schönhauser Straße und Bonner Verteiler jeweils in beiden Richtungen einspurig gestalten, bei einer Fahrbahnbreite von 3 m), so würde dass nicht nur die Durchflussmenge an Autos verringern, sondern auch die Luft verbessern! Die Unfallgefahr würde sich reduzieren und es bräuchte dann, so ganz nebenbei, auch kein Baum für den Ausbau der Schiene gefällt werden!

Würde man dann auch noch (zusätzlich!) die Geschwindigkeit auf 30 Km/h auf der Bonner Straße reduzieren, würde dass nicht nur den Ausstoß der Abgase weiter verringern, sondern es wäre für die Anwohner auch noch leiser!! Denn wirklich laut sind nur die Rollgeräusche der Auto-Reifen und nicht so sehr die Motorengeräusche. Das unangenehme Frequenzspektrum des Verkehrslärms und der relativ hohe Schalldruck entsteht besonders bei hohen Geschwindigkeiten der Fahrzeuge.

Der bei einer langsamen Fahrt (höchstens 30 Km/h) entstehende geringere Lärmpegel würde durch die vorhandenen belaubten Bäumen weiter reduziert werden. Auch die von den Bürgerinitiativen favorisierte Niederflurbahn würde langsamer und konstruktionsbedingt leiser fahren und könnte gleichzeitig an mehr Haltestellen, mehr Fahrgäste aufnehmen, als jetzt geplant sind. So könnte man die Aufenthaltsqualität für den Menschen entlang der Bonner Straße tatsächlich verbessern, - ohne dass die bestehende Planung völlig erneuert und ohne das die Bäume gefällt werden müssten!

Hier der aktuelle Forderungs-Katalog der Bürgerinitiativen.

Hier die Presseerklärung des Initiativkreises Bayenthal-Marienburg. . Hier die Presseerklärung des Initiativkreises.

Mit diesen von den Bürgeinitiative vorgeschlagenen Lösungen könnten sowohl die von der Stadt favorisierten Hochflurbahn, als auch eine Niederflurbahn, die von der Bürgerinitiative vorgeschlagen wird, gebaut werden. Man müsste sich nur vom Geschwindigkeitswahn („...in 13 Minuten vom Bonner Verteiler bis Dom Hbh“, KVB-Werbung) verabschieden und sich den Realität stellen. Weniger ist an manchen Stellen wirklich mehr. Ottmar Lattorf P.S. Hier die Berichte in der Presse auf die Vorschläge der Bürgerinitiative Initiativen fordern Änderung der Planung IG Bonner Straße schreibt Brief an Reker. Stadt leiht sich 20,5 Mio für die Nord-Süd-Bahn.

P.S.S. weitere Infos unter www.nabis.de und http://www.koeln4.de/s/pli/p/planungsirrsinn.php

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