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Nord-Süd-U-Bahn

Reaktionen auf den Beschluss des OVG Münster

Auf den vorläufigen Beschluss des OVGs Münster, dass die Bäume an der Bonner und Schönhauser Straße erst einmal - bis einschließlich Dezember 2016 - nicht gefällt werden dürfen, gab es unterschiedliche Reaktionen.

Seit Mitte September gibt es nun einen Film über die Initiative gegen den Planungsirrsinn. Er wurde von der Journalisten-Akademie der Konrad-Adenauer Stiftung (Kas) hergestellt und in der Sendung RheinZeit ausgestrahlt. Obwohl die Journalisten der Initiative wohl gesonnen waren, haben sie das Problem und die Problemlage vor Ort leider nicht erfasst. Trotzdem ist der Beitrag lehrreich. Hier der Link zu ihrem Film-Beitrag.

Zu dem Filmbeitrag gibt es folgendes zu sagen:

Erstens sind wir als Initiative nicht gegen die Straßenbahn und nicht gegen den Ausbaus der Nord-Süd-Bahn, sondern FÜR den Ausbaus der Bahn, aber nicht in der Weise, wie es die Stadt Köln jetzt plant.

Zweitens: Die Bäume an Bonner und Schönhauser Straße werden nicht wegen der Bahn gefällt, sondern weil die Schienenplaner der Stadt, im Windschatten des  Schienenausbaus eine Straßenumbau planen, der dem Autoverkehr auf der Bonner Straße und an der Kreuzung Schönhauser Straße weiterhin Vorrang geben soll. Die Stadt Köln und die KVB reden von einem Schienenausbau, glauben aber selber nicht daran. Sie haben den notwendigen flächendeckende Netzausbau seit Jahren verschlafen und sabotieren ihn mit Millarden Ausgaben für 4 km funktionsuntüchtiger Schienen. (Die 1. Ausbaustufe, der Bau im Jahr 2004 begonnen wurde und die immer noch nicht fertig ist, kostet dem Steuerzahler schon 3 Mrd Euro.) Obwohl das Projekt als ein ökologisch richtiges Schienenausbau-Projekt verkauft wird, (dass den Autoverkehr auf der Bonner Straße reduzieren soll), ist das vermeintliche Fließen des Autoverkehrs wichtiger, als der Erhalt der Bäume. Die Analyse der Planung zeigt (1. und 2. Fachtagung), dass der Bau der Bahn, sowohl als Hochflurbahn, als auch als Niederflurbahn, NICHT zu dem Verlust der 300 Bäume führen müsste.

Es ist die Bevorzugung des Autoverkehrs und die Planung nach einem halbherzige und chaotischen Konzept geschuldet, dass die Stadt sich bei diesem Schienenausbau, letztendlich doch für die "freie Fahrt" des Autos und gegen den Erhalt der Bäume entschieden hat. Würde man die Fahrbahnbreiten auf der Bonner Straße schmaler gestalten, als sie jetzt sind, oder würde man die Bonner Straße  komplett einspurig gestalten und die Verkehrsgeschwindigkeit auf 30 km/h reduzuieren, bräuchte man beim Bau der Schiene keinen einzigen Baum fällen!

Das Problem ist nicht, wie der Film fälschlicherweise sagt, dass die Bonner Straße zwischen Schönhauser Straße und Gürtel von vier auf zwei Spuren verengt wird! Das ist der einzige richtige Ansatz, den die städtische Planung hat!

Das ungelöste Grund-Problem ist: Die jetzige Autoverkehrsdichte kann durch popelige 2,1 km zusätzlicher Schiene nicht verringert werden. Dafür müsste die Stadt Köln und die KVB wesentlich mehr Schienen ausbauen, verlängern und miteinander verbinden. Hätte die KVB mit den bisher für die Nord-Süd-Bahn verbrasselten und vergrabenen 1,3 Milliarden Euro, (plus Zinsen von 616 Mio Euro, plus möglicherweise noch einmal 1,2 Mrd. Euro für das Archiv)  einen echten oberiridischen Schienenausbau durchgeführt, dann hätte man nicht 4 km funktionsuntüchtiger, sondern 60 km (!) zusätzlicher Schiene in Köln bauen können. Das würde zu einer tatsächliche Reduzierung des Auto-Verkehrs auf Kölner Straßen führen.

Wie gesagt, die Bäume sollen nicht wegen der Schienen fallen, sondern wegen der Breite der Straßen und wegen des Vorrangs den die KVB (!) dem Autoverkehr einräumt. Noch ließen sich die Bäume erhalten und noch könnte man mit einem zukunftsweisenden Konzept einen ernsthaften Schienenausbau zu Lasten der Fahrbahnbreite durchführen. Noch geht das. Im Moment hat das Oberverwaltungsgericht die Baumfällungen bis einschließlich Dezember gestoppt. Noch könnten die Planer und die Politik zur Besinnung kommen.

Aber halt, wäre das nicht der Albtraum der Anwohner im anliegenden Marienburg und Bayenthal, die Bonner Straße schmaler zu gestalten? Was würde passieren, wenn man die Fahrbahnbreite der Bonner Straße über ihre gesamte Länge verengt oder einspurig macht? In vielen Städten, wie Wien, Zürich und Paris hat man das bereits durchgeführt. Interessant sind die Ergebnisse dieser Maßnahmen, denn entgegen unseren allgemeinen Vorurteilen hat man folgende recht positiv Erfahrungen gemacht.

(Quellen: Knoflacher et.al Hüsler et.al)

Das sind einige der Ergebnisse der 2. Fachtagung zu den Planungen der Stadt zu 3. Ausbaustufe. Demnächst dazu mehr

Hier zum Weiterlernen, ein Vortrag des Verkehrswissenschaftler Herrman Knoflacher dazu: (ist allerdings mit seinem Wiener Dialekt ein bisschen gewöhnungsbedürftig.)

Das Auto ist eigentlich kein Fahr-, sondern ein Stehzeug. Entweder steht es auf einem Parkplatz oder im Stau. Im Durchschnitt steht ein Auto etwa 95% seiner Zeit im öffentlichen Raum herum. Nur 5 % der Zeit benutzt der Besitzer das Autos auch und fährt. Hier ein Interview mit dem Autor des Buches "Stehzeuge" (nicht Fahrzeuge): Mobilität neu denken.

Nachdem also zur Freude der Bürgerinitiativen und der Bevölkerung im Kölner Süden das Oberverwaltungsgericht Ende August  beschlossen hat, dass die Bäume an der Bonner und Schönhauser Straße erst einmal nicht gefällt werden dürfen (bis Dez.2016), ärgert dieser Beschluß die Politik in der Bezirksvertretung Rodenkirchen.

Während die Bürgerinitiativen die Aufschiebung des Baus begrüßen, weil dadurch ein Zeitfenster für eine Umplanung geöffnet wird, verteidigen die Bezirksvertreter in Rodenkirchen immer noch ihren alten Beschlüssen. Doch jetzt, - nach der Entscheidung des OVGs Münster-, haben sich die Grünen, die CDU und die SPD in der Bezirksvertretung Rodenkirchen, für die die Fällung aller 300 Bäume an der Bonner Straße kein Problem war, endlich aufgerafft, den Stadtrat sanft aufzufordern "strittiger Punkte" bei der Planung der 3. Ausbaustufe noch einmal zu überprüfen. Hier der Auszug aus dem Beschluss-Protokoll der BV 2 vom 12. September 2016.

Der letzte Satz in dem Beschluß ist interessant. Er bezieht sich auf die folgende Kreuzung. Wörtlich heißt es dort: "Bei der Gestaltung der Kreuzung Bonner Straße / Schönhauser Straße muss der Verkehrsfluss gesichert bleiben."

Doch was ist mit dem "Verkehrsfluss" gemeint, den die Grünen, die CDU und die SPD an der Kreuzung Schönhauser Straße jetzt unbedingt gegen den Einfluß der Bürgerinitiativen sichern wollen? Meint  man den Verkehrsfluß der Fußgänger oder den der Radfahrer? Nein, es ist der Verkehrsfluß des Autos, des MIV, des motorisierten individual Verkehrs.

Der Satz meint, man müsse bei der Untersuchung "strittiger Punkte" bei der Aufspreizung der Schönhauser Straße (unten im Bild rechts, wo die Bäume noch stehen) auf 6-spurig und auf die Aufspreizung der Marktstraße oben rechts, neben dem Tälchen, auf 5 spurig, auf jeden Fall den Verkehrsfluss für die Autofahrer gewährleisten! Wie gesagt, es handelt sich bei dieser Planung für die 3. Ausbaustufe um ein Schienenausbau-Projekt zur Reduzierung des Autoverkehrs auf den Straßen! Und trotzdem soll der Autoverkehr - auch für die Grünen - an dieser Stelle Vorrang haben!

Unsere Petition für offenen Dialog zur Nord-Süd-Bahn mit war binnen kurzer Zeit sehr erfolgreich. Nun haben wir die Petition verlängert und auf das gesamte Stadtgebiet bezogen. Unterstützenwert!

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