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V.
Die Radeberger Brache
Auch die Raderberger Brache muss
gepflegt werden
Es gibt folgende Probleme:
Punkt 1: Die artenreiche Magerwiese ist durch
Stickstoff-Eintrag über die Luft (Autoabgase) und Hundekot
bedroht.
Punkt 2: Brombeeren und der japanische Knöterich
drohen alles zu überwuchern. Früher wurde die Brache im Aufrag
des Grünflächenamtes gemäht - heute fällt das weg!
Punkt 3: Grünflächen werden oft als Müllkippen
benutzt. So auch hier!
Punkt 4: Stadt Köln plant eine Bundesgartenshow auf
dem unmittelbar angrenzenden Gelände des Großmarkts durch zu
führen. Die Radeberger Brache wird mit großer Wahrscheinlichkeit
auch davon betroffen sein.
Punkt 5: Bautätigkeiten. Noch steht die Raderberger
Brache unter Schutz (unter Schutz stehender
Landschaftsbestandteil). Die Stadt Köln hatte trotzdem im Jahre
2004 keine Skrupel durch das Gelände eine Erschließungsstraße
bauen zu lassen (Bischofsweg). Siehe damaliges Flugblatt.
Punkt 6: Nur wir selber - die Anwohner, Bürger und
Naturschützer - sind der Garant dafür das die Raderberger Brache
bleibt.
NaBiS hat einen Pflegeplan für die Brache erstellt, der hier
einzusehen ist: Pflegeplan
Raderberger Brache. Seit Frühjahr 2005 organisieren wir
Aufräumaktionen (Einsatz für das
Eisenkraut).
Unserer Lebensraum in und um die Stadt herum wird immer mehr
verdichtet. Je mehr Leute und Autos, desto wichtiger werden grüne
oder gar wilde Ausweichzonen in der Stadt - sowie jeder einzelner
schatten- und luftspendender Baum. Wir wollen eine
rücksichtsvollere Verkehrs- und Baupolitik, die der Verantwortung
für den Schutz von vorhandenem Grün - ob wilden Flächen, Parks,
Alleen, oder einzelnen Bäumen - gerecht wird. Vor allem aber
fordern wir den Erhalt der verbliebenen Raderberger Brache. Sie ist
zwar offiziell als geschützte Landschaft ausgeschildert, dieser
Schutz kann jedoch jederzeit für Bauprojekte der Stadt ausser Kraft
gesetzt werden, wie der Ausbau des Bischofsweg zeigte.
Wir möchten das öffentliche Interesse für eine langfristige
Erhaltung der Raderberger Brache wecken. In diesem schönen wilden
Kleinod (ca. 7 Hektar gross) mitten in Köln können Sie eine
Vielfalt von Schmetterlingen, Vögel, Pflanzen und Bäume beobachten.
Hier leben Igel, Specht, Fuchs und Fledermaus. Hier wachsen
Rosskastanien, Linden und Birken sowie Apfel-, Walnuss- und
Pflaumenbäume - und noch viel mehr. Siehe auch die Seite Fotos der Brache. Mehr Information zu den
besonderen Pflanzenarten der Brache gibt es in dem Auszug aus
dem Kölner Naturführer (siehe unten).
Ein Besuch der Brache ist ein Ausflug in die Natur - mitten in
der Stadt. Kinder sowie Erwachsene können sich hier entspannen und
viel entdecken. Liebe Eltern - hier können Ihre Kinder der Natur
näher kommen. Liebe Lehrer - hier kann Wissen spannend erlebt und
erlernt werden (z.B. Naturkunde, Biologie, Erlebnispädagogik oder
etwa Natur zeichnen). Wir geben regelmässig pflanzenkundliche
Führungen durch die Brache. Sie sind herzlich eingeladen!
Die Brache muss gepflegt werden, sonst überwuchert und vermüllt
sie. Wir haben einen Pflegeplan
für die Radeberger Brache erstellt. Im Frühjahr 2005 gab es die
erste grosse Aufräumaktion. Die Kölner Rundschau vom 4.8.2005
berichtet über NaBiS und unseren Einsatz für die Brache: Einsatz für das Eisenkraut. Ein
Pflegeplan soll auch mit dem Grünflächenamt erarbeitet werden. Hier
Bilder der Müllaktionen in der Brache 2007 und 2008. Es gibt noch viel zu tun
- wir freuen uns über alle, die mitmachen wollen.
Die Stadt Köln könnte dem Aufruf der Internationalen
Umweltkonferenz (Juni 2005) zur Grünen Stadt folgen und ein
öffentliches Bekenntnis zu dieser wilden Oase abgeben, als
traditionsreiches und erhaltenswertes Grüngut innerhalb der Stadt.
Die Brache könnte mit ihren Wildblumen und Schmetterlingen
offiziell als Schmetterlingswiese ausgezeichnet werden. Sie ist ein
vielfältiger Erholungsort für Mensch und Tier, und wird auch als
Naturerfahrungsraum für
Stadtkinder geschätzt.
Folgend ein Auszug aus dem ' Kölner Naturführer - Wege
zur Natur in der Großstadt ' :
Naturparadies im Kleinformat:
Brachfläche Raderberg
Ungelenkte Natur hat in der Großstadt sicherlich
Seltenheitswert. Den Kontrast zu festgelegter Wegeführung,
ausgesuchtem Pflanzenprogramm und beständiger Flächenpflege kann
man im Kölner Süden gleichsam hautnah erleben: Der Vorgebirgspark
sieht in seiner formalen Strenge etwas militärisch aus - die
angrenzende Raderberger Brachfläche erscheint dagegen wie das
Leben selbst.
In den Jahren 1909-1911 entstand zwischen den Kölner Vororten
Raderberg und Raderthal der Vorgebirgspark und damit erstmals ein
verbindender Grünzug in radialer Richtung. Unmittelbar an seine
nordöstliche Flanke schließt sich ein seit mehreren Jahren
aufgelassenes Kleingartengelände an. Hier befand sich früher auch
der Botanische Garten [...]. Die Gartennutzung wurde aufgegeben,
weil seitens der Stadt Köln Planungen bestehen, die Straße Am
Vorgebirgstor bis zur Marktstraße über diese Fläche hinweg zu
verlängern. Das Brachland nimmt eine Fläche von etwas mehr als
7,5 ha ein und wird begrenzt von der Vorgebirgsstraße, dem
Bischofsweg und der Kreuznacher Straße.
Das Raderberger Gelände ist eine der größten städtischen
Brachflächen - eine Flächenkategorie, auf die ein Anteil von
etwa 3% der gesamten Stadtfläche oder rund 1500 ha entfallen.
Gemeinsames Merkmal dieser Flächen ist, daß sie keiner intensiven
Nutzung oder Pflege unterliegen. Folglich können bestimmte
Artengefüge und Lebensgemeinschaften völlig spontan
zusammenfinden und sich zumindest eine Zeitlang ohne den
lenkenden oder störenden Einfluß des Menschen entwickeln. Bei der
Bewertung dieser Lebensgemeinschaften darf jedoch nicht übersehen
werden, daß sie ihren Biotop ausschließlich dem Wirken des
Menschen verdanken.
Die hier siedelnden Pflanzenarten und Pflanzengesellschaften
werden unter der Sammelbezeichnung Ruderalvegetation
zusammengefaßt. Sie repräsentieren bestimmte Entwicklungsstadien
eines Biotops auf dem Weg seiner Renaturierung. Planerisch werden
die Ruderalstandorte häufig als Ödland oder gar als Unland
bezeichnet - ein Begriff, mit dem sich unterschwellig die
Einschätzung der Minderwertigkeit oder Wertlosigkeit verbindet.
Diese durchaus unangemessene Bewertung wird der ökologischen
Funktion von Brachland im Gesamtlebensraum Stadt mit
Sicherheit nicht gerecht. Immerhin ist zu bedenken, daß
zahlreiche Arten der Natur- und Kulturlandschaft gerade im
aufgelassenen, verbrachten Nutzland Lebensbedingungen finden, die
anderwärts nicht mehr bestehen (Rückzugslebensraum) oder
umgekehrt auch ein besonderes Kennzeichen des Lebensraumgefüges
Großstadt sind (Ausbreitungsposten).
In jedem Fall bilden die Brachflächen artenreiche und daher
besonders schutzwürdige Biotope, die für viele Arten als
Verbreitungsinseln von besonderer Bedeutung sind. Wie das
Beispiel der Raderberger Brache zeigt, können sich solche Flächen
schon nach relativ kurzer Zeit mit einem buntblumigen Flor
überziehen und daher durchaus auch ein dekoratives Element
aufweisen.
Mehr als 200 verschiedene Pflanzenarten sind bislang
von der Brache am Vorgebirgspark nachgewiesen. Darunter finden
sich so bemerkenswerte Arten wie die Osterluzei (Aristolochia
clematitis), die Geiraute (Galega officinalis), das Aufrechte
Glaskraut (Parietaria officinalis), der Wiesen-Storchschnabel
(Geranium pratense), die Schwarze Königskerze (Verbascum nigrum)
oder das recht selten gewordene Eisenkraut (Verbena officinalis).
Die Raderberger Pflanzenliste weist ausgesprochene Wärmezeiger
auf, wie den aus dem Mittelmeerraum stammenden Schmalblättrigen
Doppelsamen (Diplotaxis tenuifolia). Weitere typische
Adventivarten sind die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis),
die schon seit vielen Jahrzehnten im Gebiet Fuß gefaßt hat, oder
das ungleichzähnige Greiskraut (Senecio inaequidens), das erst in
jüngster Zeit auf die städtischen Ruderalflächen vordringen
konnte.
Brachflächen erweisen sich bei näherem Hinsehen immer als
Pflanzenstandorte, an denen man interessante
verbreitungstechnische und auch verbreitungsgeschichtliche
Beobachtungen anstellen kann. Andererseits sind solche
Artenensembles auch die Lebensstätten einer großen Anzahl von
Klein- und Kleinsttieren, die ebenfalls unseren besonderen Schutz
benötigen.
Das reichhaltige sommerliche Blütenangebot der Raderberger
Brache lockt zahlreiche Hautflügler, Käfer und Schmetterlinge
an, die man sonst im Lebensraum Stadt kaum (noch) erleben
kann. Wegen ihrer vielschichtigen ökologischen Bedeutung ist
diese Fläche als geschützter Landschaftsbestandteil ausgewiesen
und somit durch das nordrhein-westfälische Landschaftsgesetz
besonders geschützt.
Aus: Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt NRW/Hermann Josef
Roth (Hg.): Kölner Naturführer. Wege zur Natur in der Großstadt
(Wienand Verlag: Köln 1990).
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