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NaBiS e.V. - Streuobstwiesen Projekt

Streuobstwiesen Projekt – die hungrige Obstunion

Auf Streuobstwiesen stehen hochstämmige Obstbäume meist unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Arten und Sorten. Streuobstwiesen zählen mit zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Die Bäume und Wiesen bieten Nahrung, Rückzugmöglichkeiten und Unterschlupf für viele Insekten, Vögel und Säugetiere. Heimische alte Obstsorten haben darüber hinaus aber auch kulturhistorische Bedeutung, da sie an Klima und Böden in unserer Region seit langem angepasst sind und beides schützen helfen.

BILD: Getrommelter Rheinschotter, gesammelt bei Köln
Die hungrige Obstunion bei der Ernte

Wiedereroberung unserer einheimischen Landwirtschaft!

Wir haben die Kontrolle über unsere Landwirtschaft verloren! Wir leben von Produkten die ALDI, REWE und LIDL aus der ganzen Welt mit enormen Ressorcenverbrauch zu uns bringen. Noch vor 50 Jahren wurden die meisten Lebensmittel in der Region angebaut.

Auf dieser Streuobstwiese mit alten Obstsorten, versucht »Die hungrige Obstunion« ein kleines Stück vergangene Landwirtschaft zu erhalten und wieder zu beleben. Es muss eine natürliche, regionale Produktionsweise wiederbelebt werden und nicht dieser Wahnsinn, den man heute in der Landwirtschaft macht. In den letzten 50 Jahren wurde die Herstellung von Nahrungsmitteln so weit industrialisiert, dass die Nahrungsmittel minderwertig – und durch Gentechnik und die Verwendung von Herb- und Pestiziden sogar gefährlich – geworden sind.

Noch vor 50 Jahren war ein Bauernhof noch eine sich selber erhaltende Einheit die aus sich heraus funktionierte und immer einen Überschuss hatte. Die Erträge waren immer höher als die Kraft, die man hineingesteckt hatte. Heute sind die Landwirte durch die technische und chemische Aufrüstung ihrer Betriebe von körperlicher Arbeit und von der Notwendigkeit über Naturkenntnisse zu verfügen, völlig entbunden. Die Produktivität ist zwar enorm gestiegen, aber der Preis den wir für diese Produktionsweise bezahlen ist die Zerstörung unserer Gesundheit und unser Lebensgrundlagen.

Das darf nicht geschehen und deswegen fangen wir hier an diese kleinen Streuobstwiesen so zu bewirtschaften, wie man es früher gemacht hat. Mit der Idee im Hintergrund wieder gerechte wirtschaftliche Verhältnisses herzustellen. Macht mit! Ihr seit herzlich eingeladen!

Kontakt:
NaBiS e.V., z.H. Ottmar Lattorf
Mannsfelderstr. 17
50968 Köln
Tel.: 0221-341182
nabis@web.de (Betreff: Obstunion)

Das Projekt

Der Verein Nabis e.V. hat zwei Streuobstwiesen-Projekte. Das eine Gelände ist eine Streuobstwiese mit 70 Obstbäumen an der Uferstraße in Rodenkirchen (die Bäume sind etwa 15 Jahre alt). Es handelt sich um sogenannte Ersatzpflanzungen die laut der Kölner Baumschutz-Satzung gemacht werden müssen im Fall dass geschützte Bäume auf dem Stadtgebiet gefällt werden. Hier hat der Verein einen Pflege- und Nutzungsvertrag mit dem Grünflächenamt der Stadt Köln.

Das andere Gelände ist ein siebenteiliger, Streuobstwiesen-Komplex mit 85 alten Obstbäumen im Weisser Bogen. Hier hat der Verein die Zutrittsrechte für die Wiesen und die Nutzungsrechte für das Obst von der Rheinenergie AG bekommen. Das Alter der völlig vernachlässigten Bäume im Weisser Bogen liegt zwischen 30 und 50 Jahren. Dort handelt es sich ausnahmslos um alte nicht mehr marktfähige, vergessene Obst Sorten.

Aller Anfang ist schwer

Die erste Aufgabe bestand erst einmal darin, eine Gruppe von Naturfreunden zusammen zu trommeln, sie in der Lage zu versetzen, die unterschiedlichen Obstbäume zu identifizieren, die Sorten zu bestimmen, die Qualitäten und Eigenschaften der Sorten herauszufinden und die Bäume als solches zu erhalten.

Als erstes wurden zur Zeit der Kirsch-, der Pflaumen- und der Apfel-Ernte Rundgänge über die Wiesen mit Vorträgen und Erklärungen über die Qualität des Obstes, über die Pflege von Obstbäume, über den Zustand der Landwirtschaft und der Ökologie durchgeführt. Die alten Bäume, die zum Teil völlig vernachlässigt waren, brauchten eine Kronenpflege und sog. Entlastungsschnitte, um sie möglichst noch lange zu erhalten. Auch die Baumscheiben mussten gesäubert werden.

Lagerflächen mussten gefunden und Transportmöglichkeiten organisiert werden. Es mussten unzählige Verkaufsgespräche und Erklärungen zu dem Wert der Äpfel mit den Bioladen-Besitzern und auf den Wochenmärkten durchgeführt werden. Eine Saftpresse wurde organisiert.

Das Arbeitsjahr

Die Wiesen werden regelmäßig in Augenschein genommen und die Obstbäume auf Befinden und Früchte überprüft.

Was geschieht mit der Ernte?

Natürlich kann sich jedes Mitglied der hungrigen Obstunion mit so vielen Früchten eindecken, wie er kann/will. Die überschüssige Ernte wird in Bioläden oder auf Wochenmärkte gebracht (der Erlös kommt ausschließlich dem Verein Nabis und dem Streuobstwiesen-Projekt zugute). Ein Teil wird zur Tafel gebracht. Der Rest wird auf traditionelle Weise verarbeitet, getrocknet, eingemacht oder (zu einem großen Teil) versaftet. Empfehlung: Unser Apfelsaft ist wirklich lecker!

Einige alte Sorten auf unseren Wiesen

Büttner Rote Knorpel
Sie wurde um 1795 von C.G. Büttner in Halle, Saale aus Samen gezüchtet. Eine der ältesten gelbroten Knorpelkirschen. Kugelige Steinfrucht; große Knorpelkirsche, mit tiefer Stielgrube; Fleisch fest, hellgelb, sehr süß und angenehm aromatisch mit guter Säure, Saft farblos. Ertrag regelmäßig und hoch, Reife Ende Juni, Anfang Juli.
Purpurroter Cousinot
Alte Apfelsorte, deren genauer Ursprung nicht mehr bekannt ist. Seit den 1920er Jahren verbreitet er sich ausgehend vom Reisermuttergarten Magdeburg. Der Apfel wird mittelgroß, meist kleiner als 8 cm im Durchmesser, und hat eine runde, meist regelmäßige, hochgebaute Form. Die glatte Schale hat eine gelblichgrüne bis gelbe Grundfarbe mit einer meist intensiv roten Deckfarbe und weist eine leichte Punktierung auf. Der Apfel hat ein weißes bis hellgelbliches z. T. von einer rot gefärbten Äderung durchzogenes Fruchtfleisch, das einen erfrischenden, aromatischen Geschmack hat. Reife im Oktober. Aufgrund seiner intensiv roten Farbe, die durch Polieren der Schale hervorgehoben werden kann, wurde und wird er als Weihnachtsbaumschmuck verwendet. Seine Genussreife erreicht er spätestens im Dezember. Bei entsprechender Lagerung, kann er bis zum Ende des Frühjahrs bzw. Beginn des Sommers genossen werden.
Baumanns Renette
Der Apfel wurde etwa um 1800 von Jean-Baptiste van Mons in Belgien als Sämling unbekannter Eltern ausgelesen. Zufriedenstellende Früchte lassen sich allerdings nur bei guter Pflege und guten Standorten ernten, da er für Obstbaumkrebs, Blut- und Blattläuse und am Lager für Lagerschorf, Schalenbräune und Fäulnis anfällig ist. Positiv sind der frühe Ertragseintritt und auch hohe und gleichmäßige Erträge. Der Apfel ist wenig spritzempfindlich, die Blüte ziemlich frosthart, und er welkt kaum am Lager. Außerdem ist er wenig druckempfindlich und dadurch gut transportfähig. Er ist für seine Färbung beliebt, so war er früher beispielsweise ein klassischer „Weihnachtsapfel“. Die Genussreife liegt im Zeitraum von Mitte Dezember bis März. Allerdings kann Baumanns Renette geschmacklich nicht mit aromatischeren Sorten mithalten.
Hauxapfel
Um 1920 von Andreas Haux aus Baden- Württemberg aus Samen von ‘Roter Trierer Weinapfel’ gezogen und 1925 ausgepflanzt. Mittelgroß bis groß. Etwas unregelmäßig kegelförmig gebauter Winterapfel mit markant weiter und tiefer Stielgrube und ausgeprägten Höckern im Kelchbereich. Fruchtfleisch weißlich grün, später gelblich, wenig saftig und hart, mürbe und mit fruchtiger Säure. Wirtschafts- und Mostapfel mittelhoher Zucker, hoher Säuregehalt, fruchtig, aber wenig saftig. Ernte Mitte Oktober bis Ende Oktober. Kein Frischverzehr, ausgesprochene Mostsorte für guten Saft. Kann aber auch bis März gelagert werden.
Kaiser Wilhelm
Der Kaiser Wilhelm ist eine alte Apfelsorte, die zuvor in der Kölner Umgebung unter dem Namen Peter Broich bekannt war. Als Kaiser-Wilhelm-Apfel wurde sie dann überregional bekannt. Frucht mittelgroß bis groß, variabel kegel-/ kastenförmig oder rundlich. Deckfarbe dunkelrot, z.T. purpur-rötlich; bei stark gefärbten Früchten flächig, sonst verwaschen streifig. Fruchtfleisch gelblich-weiß, fest, mittelfeinzellig, säuerlich süß, ohne ausgeprägtes Aroma. Anfangs saftig, nach Lagerung bald mürbe werdend. Die Sorte wird Ende September geerntet und ist von Ende Oktober bis April genießbar.
Köstliche aus Charneu
Eine alte Birnensorte, die als Zufallssämling entstand und ca. 1800 in Charneux auf einem Gut gefunden wurde. Die Frucht ist mittelgroß bis groß mit einem Durchmesser von ca. 60 mm und birn- bis kegelförmig. Die dünne Schale hat eine grüne Grundfarbe, die sich mit zunehmender Reife gelb färbt – auf der von der Sonne beschienenen Seite bildet sich eine hell- bis dunkelrote Deckfarbe heraus. Die Schale weist zahlreiche Punkte auf. Das feine Fruchtfleisch ist weiß bis hellgelb, süß und sehr saftig mit einem feinen Aroma bei wenig Säure. Die meist als Tafelbirne genutzte Frucht wird Ende September bis Mitte Oktober pflückreif und ist bis November genussreif.

Schlusswort und Aufruf!

Das Projekt ist getragen von der Haltung, dass wir – jeder von uns – gefordert sind, Verantwortung für die Probleme zu übernehmen, die wir sehen und die die Gesellschaft heute hat. Es nützt gar nichts die Politik zu kritisieren, wenn wir, die Bürger die Probleme auf der Ebene auf der wir stattfinden und leben, nicht anpacken. Würden wir das Alle gemeinsam tun, würden wir die Politik überflüssig machen.

Ausführliche Beschreibung des Projekts Streuobstwiese

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